Prognosefokus

Das mundanastrologische Forschungs-Journal

1. Mai 2008: Zeitleiste der Krawalle in Hamburg

von Wolfgang Scheer

Als Beobachter bin ich auf der Seite der Gegendemonstranten dabei gewesen, konnte aber nur über das berichten, was sich meiner Wahrnehmung bot. In den verschiedenden Medien wurden die Ereignisse zum Teil minutiös festgehalten. Nach der Auswertung dieser Berichte ergibt sich in der Zusammenfassung ein klares Bild zu dem zeitlichen Ablauf. Mit dieser Übersicht zur Hand kann die Prognose zum 1. Mai in Hamburg von H.-W. Wolters besser überprüft werden. Quellenangaben sind mit [..] markiert, meine eigenen Beobachtungen und Anmerkungen kursiv rot geschrieben.

30. April 2008
19.00:
[1] „Revolutionäre 1.Mai-Demo“ ab Altona ins Schanzenviertel
ab 22.45 Barrikaden in der Schanzenstraße und Entglasung der Haspa-Filiale

1.Mai 2008
9.00[2] „Noch bevor die Krawalle in Barmbek begannen, haben drei Rechte … gegen 9 Uhr einen 29-jährigen Schwarzafrikaner verprügelt. Am Cesar-Klein-Ring (Steilshoop) ….Im letzten Moment konnte der 29-jährige flüchten. Nun hat die Staatsschutzabteilung die Ermittlungen übernommen. Die Täter konnten bisher nicht gefasst werden.“

10.00: Versammlung der Gegendemonstranten an Wiesendamm und Bahnhof Barmbek, ca. 7000 zusammen, außerdem viele Gruppen auf den Barmbeker Straßen.
Kurz nach 10.00 „Etwa 20 Rechtsradikale besetzten die ersten beiden Waggons (der RE:von Pinneberg nach HH, W.S.), verweigerten anderen Reisenden den Zutritt…Dann bemächtigten sie sich der Lautsprecheranlage…´Ab heute transportiert die Deutsche Bahn AG Deutsche und Ausländer getrennt. Für Ausländer werden extra Güterwagen zur Verfügung gestellt`…Bahnpolizisten kamen zu spät, können nicht mehr eingreifen“.

11.00[3]
11.18 Intensive Rauchwolke über Barmbek. An der Habichtstraße brennen hinter der ARAL-Tankstelle an der Bahnböschung Hunderte Neureifen. Durch diese Brandsetzung können die Bahnen wegen Stromabschaltung nicht mehr fahren und in ihnen befindliche NPD-Anhänger nicht zur „Alten Wöhr“ gelangen. Sie machen sich wie die aus dem RE von Pinneberg zu Fuß auf den Weg.[4]

12.00 Die Gegendemo macht sich auf den Weg. Sie erreicht mit viel von den Polizeiketten verursachten Stopps gegen 13.00 die Ecke Fuhlsbüttler Straße/Alte Wöhr, ca. 400 m Abstand in Sichtweite zur NPD-Demo.

13.00 Auf St. Pauli beginnt eine weitere ungewöhnliche Premiere: Da der „Tag der Arbeit“ und „Himmelfahrt“ dieses Jahr zusammenfallen, haben der DGB und die Kirchen unter dem Motto „Gute Arbeit muss drin sein“ erstmals zu einer gemeinsamen Kundgebung mit ökumenischem Gottesdienst auf dem Spielbudenplatz aufgerufen, die nach Eintreffen des DGB-Zuges vom Gewerkschaftshaus her (mit etwa 1500 Teilnehmern, HA an anderer Stelle desselben Artikels, W.S.) gegen 13.00 begann. „Das Spektrum reichte von Hamburger Sozialdemokraten über „Brot für die Welt“ -Mitstreiter bis hin zum Unterstützerkreis der Spartakisten sowie – natürlich – Gewerkschaftern aller Facetten. Vertreter beider Kirchen, den Falken, der Büchergilde Gutenberg und schließlich ein paar besonders lautstark singenden Vatertagstouristen.“[5]
Kurz nach 13.00 „…trafen am Rübenkamp linke Demonstranten auf Neonazis. Es kam zu einer heftigen Prügelei, die jedoch von Beamten schnell beendet werden konnte.“

13.00[6] Dazu die MOPO am 3.5.08 : „Als sie („die autonomen Nationalisten“) am S-Bahnhof Rübenkamp in Sichtweite der linken Gegendemonstranten kamen, waren sie nicht mehr zu halten. `Aggression und nackte Gewalt ging von rechter Seite aus´, sagte Polizeieinsatzleiter Peter Born. Wie auf Stichwort seien die Rechtsextremisten auf die Linken eingestürmt. Es kam zu einer wilden Schlägerei. Polizeipräsident Werner Jantosch: `Ohne Polizei hätte es Tote gegeben´.“

13.13[7] „In der Lauensteinstraße greifen Linke Polizisten mit Steinen, Flaschen, Brettern an.“
Zuvor war die Zugspitze der Gegendemo dort von der Polizei eingekesselt worden.
13.30 Über die Lautsprecher der Gegendemo wird bekannt gegeben, das Nazigruppen in den umliegenden Straßen ohne Polizeibegleitung gesehen worden sind.

13.37[8] „Um 13.37 sammeln sich rund 1000 Autonome an der Tischbeinstraße. Molotowcocktails und Pfefferspray werden sichergestellt.“

13.52[9] „In der Saarlandstraße wird ein Polizeiauto umgekippt. Steinwürfe. Randalierer zerstören Scheiben der Busse, mit denen die Randalierer angereist sind.“

14.15[10] „Randalierer zerstören die Fenster eines Autohauses am Rübenkamp. 200 Rechtsextreme attackieren Linksautonome mit Fäusten. Eine wilde Prügelei beginnt.“

14.17[11] „Am Rübenkamp zerstören Chaoten die Fenster eines Autohauses.“

14.47[12] „ 300 bis 500 linke Randalierer greifen im Stadtpark Cafe Gäste an, verwüsten das Lokal“

Widersprüchliche Meldungen über den Marschbeginn der NPD-Demo:
BILD schreibt 14.55, MOPO schreibt 15.30. Ich selber habe zwischen diesen beiden Zeitpunkten einen Ausbruch der Nazis von der „Alten Wöhr“ durch einen dortigen Bauzaun auf die benachbarte Baustelle gesehen, der von vielleicht 500 Gegendemonstranten eingefangen und zurückgedrängt wurde, in den Schutz der Polizei.

Zur selben Zeit laut BILD:
15.00 „Über 500 Chaoten laufen aus dem Stadtpark in Richtung Sengelmannstraße, bewaffnen sich an Baustellen mit Steinen“ Das könnte die Aktion der Zurückdrängung der durchgebrochenen Nazis von der Alten Wöhr gewesen sein.

15.17 „In der Saarlandstraße/Ecke Alte Wöhr brennt ein Streifenwagen.“
15.18 „Ein Lkw-Anhänger brennt an der Hellbrookstraße.“
15.31 „Wasserwerfer-Einsatz am Rübenkamp“ Das könnte der Beginn des NPD-Marsches gewesen sein.
15.40 „Barrikaden werden auf der Hellbrookstraße errichtet“
15.46 „Sieben Autos brennen in der Saarlandstraße“
15.47
„Chaoten stürmen auf das Gelände des Krankenhaus Barmbek, zünden Müllcontainer an“

ab 16.00[13] „Ab 16 Uhr treibt die Polizei Autonome durch den Rübenkamp. Die Demonstration der Neonazis führt in der Folge durch ein Trümmerfeld. Containe werden angezündet, Straßenschilder umgeknickt, Steine geworfen. Noch im Rübenkamp werfen Autonome Steine über eine Mauer in den Nazi-Aufmarsch. Die Rechten werfen ebenfalls Steine. Ein Nazi-Ordner wird festgenommen, weil er Gegendemonstranten attackiert. Ab 16.30 brennen Barrikaden.“

16.11 „Randalierer stecken ein Auto im Eiligersweg an“.

16.30 „Linke Chaoten greifen Polizisten an der Fuhlsbüttler Straße mit Flaschen und Steinen an“.

16.31 „ Im Rübenkamp brennen Barrikaden, Anhänger werden umgekippt, Pflastersteine fliegen“
Über Hellbrookstr, am Krankenhaus Barmbek vorbei und den Rübenkamp entlang zum Friedhof Ohlsdorf verlief die NPD-Route.

16.34 „Die Saarlandstraße wird mit gefällten Bäumen aus dem Stadtpark blockiert“.

16.40 „Chaoten stürmen den Friedhof Ohlsdorf, versuchen von dort, den Aufzug mit den Rechten anzugreifen.“

16.45 „Nachdem die Neonazis die erste Strophe des Deutschlandliedes anstimmen, beendet die Polizei die Kundgebung.“

17.00 „Rechtsradikale steigen am Bahnhof Ohlsdorf unter Polizeischutz in Sonderzüge ein.“

17.03[14] „Um 17.03 erklärte die `Braune Inge´ genannte Demo-Anmelderin Inge Nottelmann den Aufzug für beendet.“

Zu dieser Zeit um 17.00 herum schreibt die MOPO: „ Nachdem der braune Mob in der Nähe des Bahnhofs Ohlsdorf auf Polizisten losgegangen war, setzten die Beamten Wasserwerfer und Schlagstöcke ein und lösten den Marsch auf. Kurz darauf fuhren die Rechten mit einem Zug in Richtung Poppenbüttel. Doch noch bevor sie angekommen waren, zogen die Neonazis die Notbremse und stiegen aus, marschierten in Richtung Ohlsdorf. Unterwegs kam es erneut zu Schlägereien mit Linken.“

Ich selber war um 16.45 bei der Wasserwerferaktion der Polizei gegen Gegendemonstranten, die von der Fuhlsbüttler Straße aus in Richtung Ohlsdorf mit etwa 1000-2000 Leuten – auch vielen Barmbekern aus den Straßenlokalen in „Vatertagsstimmung“ – in recht gelöster Stimmung das „Baden“ junger Gegendemonstranten in den Wasserwerferstrahlen unterstützten und durch ihre Masse die Einkesselung durch die Polizei von hinten unmöglich machten.

17.45[15] „Neonazis stürmen den U-Bahnhof Ohlsdorf, werden von der Polizei in einen Zug gedrängt, in dem auch Linke mitfahren. Auf der Fahrt zur Haltestelle Sengelmannstraße werden neun Waggons demoliert. Vor dem Bahnhof geht die Prügelei weiter.“

22.00 –03.30[16] „Rund 700 Linke hatten sich gegen 22 Uhr vor der „Roten Flora“ am Schulterblatt versammelt. Sie griffen Polizisten an. Steine und Flaschen flogen, Barrikaden brannten und die Scheiben der Haspa-Filiale wurden zertrümmert. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Schlagstöcke ein. An der Altonaer Straße warfen Randalierer einen Molotow-Cocktail auf einen Peterwagen, in dem zwei Beamte saßen. Die Frontscheibe zersplitterte. Der Brandsatz entzündete sich jedoch nicht. Unterdessen brannten in etlichen Straßen rund um das Schulterblatt dutzende Müllcontainer. An der Rosenhofstraße wurde ein Auto umgekippt. Zudem warfen Protestler die Scheiben eines Supermarktes an der Straße Hohe Weide und einer Haspa-Filiale an der Wohlwillstraße ein. Ein Auto wurde an der Oelkersallee in Brand gesteckt. Die Krawalle im Schanzenviertel waren erst gegen 3.30 beendet. Die Beamten nehmen einen Randalierer fest und 16 in Gewahrsam. Es waren rund 700 Beamte im Einsatz.“

Dieselbe Zeit nach der BILD-Zeitung vom 3.5.08:
„Kurz vor 22 Uhr waren 600 Rechte (!!!, Hervorhebung von mir, W.S.) und 200 Partygänger, die zu einem Konzert wollten, unterwegs. Plötzlich zogen linke Autonome vor der „Alten Flora“ Baumaterial auf die Straße. Eine Gruppe Vermummter warf Pflastersteine an die Scheiben der Haspa-Filiale. Als die Polizei die Straße Schulterblatt räumen wollte, schleuderten die Chaoten Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper in Richtung der Beamten. Wasserwerfer vertrieben die Randalierer in Nebenstraßen. Nach 23 Uhr war die Zahl der linken Randalierer schon auf 700 angewachsen. Sie beschädigten einen Peterwagen, zündeten Müllcontainer an. Die Scheiben eines Supermarktes gingen zu Bruch. In der Oelkerstraße wurde ein Auto abgefackelt. 15 Randalierer kamen in Gewahrsam.“

Und noch wieder anders nach dem Hamburger Abendblatt vom 3.5.08:
„Am Rande eines Solidaritätskonzerts in der Roten Flora zogen Randalierer erneut Barrikaden auf die Fahrbahn, zündeten Müll und Autos an, warfen Scheiben ein. Obwohl Aktivisten der Flora nach Polizeierkenntnissen versuchten, massiv deeskalierend auf die Randalierer einzuwirken und sie in die Flora zu lotsen, ließen die sich nicht von ihrem zerstörerischen Tun abbringen. Peter Born: Bei ihnen handelte es sich erneut meist um auswärtige Jugendliche, die an dem Konzert überhaupt kein Interesse hatten.“

Schlussworte der Zeitungen:
BILD: [17] „Rund 250 Randalierer wurden festgenommen oder in Gewahrsam genommen. Mehr als 20 Polizisten verletzt. Der Sachschaden geht in die Hunderttausende“

MOPO: [18] „ Wie viele Demonstranten und Passanten verletzt wurden und wie viele Festnahmen es gab, ist noch unklar. … Mindestens 26 Polizisten erlitten Verletzungen. Die Polizei meldet insgesamt mehr als 250 Festnahmen, zwei Männer wurden wegen Verdachts der Brandstiftung dem Haftrichter vorgeführt.“

Hamburger Abendblatt: [19] „Nach den 1.-Mai-Krawallen in Hamburg kritisierten Innenbehörden, Polizei und CDU die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts (OVG), den Routenverlauf der Demonstrationen so zu verändern, dass linke wie rechte Gewalttäter zum Teil auf denselben Straßen unterwegs waren und direkt aufeinandertrafen. Die Polizei hatte verlangt, die Züge räumlich voneinander zu trennen. ´Das konnte nicht gut gehen`, sagte Polizeipräsident Werner Jantosch. Auslöser der gewalttätigen Auseinandersetzungen waren nach Einschätzung der Polizei unter anderem 400 sogenannte autonome Nationalisten. Einsatzleiter Peter Born sagte, dass es ohne das Einschreiten der Polizei angesichts der Agressivität auf beiden Seiten ´sogar Tote hätte geben können`.“ und „ Am Ende dieses an blinder Zerstörungswut so reichen Tages zog die Polizeiführung Bilanz: 59 Personen wurden festgenommen. Lediglich 15 der mutmaßlichen Straftäter kommen aus Hamburg, 44 aus dem weiteren Bundesgebiet – meist aus den neuen Bundesländern – sowie aus Dänemark und den Niederlanden. Unter den 59 Festgenommenen sind nur elf Erwachsene. Alle anderen sind unter 21 Jahre alt, viele von ihnen gar jünger als 18. Nur sechs der festgestellten Täter waren der Polizei bereits als Straftäter des rechten oder linken Lagers bekannt.“

[1] MOPO 2.5.08 (MOPO=Hamburger Morgenpost)
[2] MOPO 3.5.08
[3] BILD 2.5.08
[4] Infos aus der Gegendemo in den folgenden 30 Minuten.
[5] Hamburger Abendblatt 2.5.08
[6] MOPO 2.5.08
[7] BILD 2.5.08
[8] Hamburger Abendblatt 2.5.08
[9] BILD 2.5.08
[10] Hamburger Abendblatt 3.5.08
[11] BILD 2.5.08
[12] BILD 2.5.08
[13] Hamburger Abendblatt 2.5.08
[14] Hamburger Abendblatt 2.5.08
[15] Hamburger Abendblatt 3.5.08
[16] MOPO 3.5.08
[17] BILD 2.5.08
[18] MOPO 2.5.08
[19] Hamburger Abendblatt vom 3.5.08

Mai: 04 05 2008 Posted by | Aktuell, Geschichte, Politik, Prognostische Forschung, Uncategorized | , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar